
Ihr eigenes Denkmal in der Geschichte des harten Rock haben sie sich selbst schon längst geschaffen: Hervorgegangen aus dem tristen Bakersfield/ Kalifornien - einem bisweilen düsteren und beklemmenden Ort, an dem es für jegliche Arten von Zivilisationskrankheiten scheinbar nur einen einzigen Weg der Erlösung gibt: Und zwar in Form ihrer seltsam verdrehten Gitarrenriffs, den offbeat-lastigen chaotischen Funky-Beats, dem markant-schizophrenen Monster-Bass und nicht zu vergessen Jonathan Davis` unverwechselbaren, irgendwo zwischen Karthase und psychotischem Wahnsinn oszillierenden Weirdo-Vocals.
Nicht weniger als 30 Millionen verkaufte Einheiten ihrer insgesamt acht Vorgängeralben konnten Korn in ihrer 16jährigen Vorzeige-Karriere unters Volk bringen.
Trotz allem Ruhm und den mannigfaltigen Verlockungen des Showgeschäfts ist Korn zu jeder Zeit die rohe und unzähmbare Supermacht geblieben, als die man seit Anbeginn abgrundtief von seiner treuen Zuhörerschaft verehrt wird: Die Verkörperung eines Lebensgefühls, die Stimme einer Generation.
Eine Stimme, die Korn auch mit ihrem neunten Studiorelease "Korn III - Remember Who You Are" wieder mit der gleichen Energie, dem gleichen Feeling und dem selben Charisma wie zu Anfangstagen ertönen lassen. Jeder Song eine kleine Reminiszenz an die Geburtsstunde einer Szene, ohne sich jedoch neuen Einflüssen zu verschließen. "Remember Who You Are" ist genau das, was sein Titel suggeriert: Eine Rückkehr zu den Wurzeln ebenso, wie auch der Ausblick in die Zukunft; in eine dezent finstere Zukunft freilich. Das missing link zwischen dem bahnbrechenden Gestern und einer nicht weniger wegweisenden Gegenwart.
"This album is a reflection of us being a band since 1993", erklärt Sänger Jonathan Davis. "We worked hard on the previous records, and we experimented a lot. For Remember Who You Are, the four of us got together in a small room with the intention of writing an old school Korn record. This album is a perfect mixture of everything we've done, and this version of the band is the best ever."
Alles zurück auf Anfang, mit dem Wissen und dem Können alter Hasen jedoch. Beste Voraussetzungen also, einen ähnlichen Genre-Klassiker wie ihr selbstbetiteltes Erstlingswerk zu erschaffen.
Eine Glanzleistung, an der ein gewisser Ross Robinson nicht ganz unschuldig ist - haben sich Korn doch nach langer Zeit wieder mit ihrem einstigen Komplizen im Geiste und berüchtigtem Starproducer (der ersten beiden Alben) verbündet, um 10 ungefilterte Aggressionsanfälle und unberechenbare Wutausbrüche in kreative Bahnen zu kanalisieren: Angefangen beim puren Gänsehautalarm von „Oildale (Leave Me Alone)", über die explosive Freak Out- und Lärmorgie "Move On", bis hin zu den beinahe tödlichen Dissonanz-Attacken von "Fear Is A Place To Live" - 2010 wird ihr großes Jahr: Korn reloaded 3.0!
Spartanisch, fast bis auf die hageren Musikerknochen abgespeckt sind Korn auf "Remember Who You Are" zu Werke gegangen. Mit wehenden Fahnen zurück zum Wesentlichen: Kein übertechnisierter Pro-Tools-Einsatz, keine nachträglichen Einzelspuren, kein verwässerndes Post Editing. Einzig und alleine die ungezügelte Rock-Power, kollektiv entfesselt von vier Ausnahmekünstlern im Ausnahmezustand. Ein fast klaustrophobisches Chaos, ganz altmodisch auf analogen 2-Zoll-Bändern im kaum schuhschachtelgroßen Bandstudio "The Cat Box" in Los Angeles eingefangen.
Ein stilles Wasser war Sänger Jonathan Davis bekanntlich noch nie - um so tiefer hat der exzentrische Bühnenderwisch diesmal auf Songs wie "Never Around", "Are You Ready To Live?" oder "The Past" gegraben.
"A lot of people dwell on the past, and they feel guilt. There's nothing you can do about the past because it's gone and it's blown up. We're here now. I let everything flow, while I was coming up with lyrics. They're about me living my life for others when I shouldn't, people-pleasing all of the time, stress, guilt and all kinds of emotions we live with everyday that destroy us and tear us down. I write about all of the fake people around us and how I always try to fix other people's problems. I write what I feel, and it comes out naturally. I've got a lot of shit built up inside me; that doesn't go away."
Und auch Ex-Tour-Schlagzeuger Ray Luzier, der nach dem Weggang von Brian „Head" Welch und Drum-Vorgänger David Silveria, als jüngstes Mitglied mittlerweile zum festen Bestandteil des Korn-Universums geworden, hatte entscheidenden Anteil an der Durchschlagskraft von "Remember Who You Are".












