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Keith Caputo
Aktuelle Veröffentlichungen:
KEITH CAPUTO
"Died Laughing"
VÖ: 14.02.2000
Lang erwartet, von Heerscharen von Fans per E-Mail an den Künstler selber herbeigefleht, und endlich endlich war es im Herbst 2000 soweit:
Keith Caputos Akustikalbum "Died Laughing Pure" ist seit dem 20.11.2000 (und damals gerade noch rechtzeitig zur anschmiegsamsten Zeit des Jahres) käuflich erhältlich.
Sowohl der Track "Why", das wohl gefühlvollste Annie Lennox-Cover aller Zeiten und eine Hommage an seine Lieblingssängerin, als auch zwei Bonustracks sind darauf zu finden.
Ansonsten präsentiert dieses Album in gewohnt ausdrucksstarker Art und Weise unseren reifen, stimmgewaltigen Ausnahmekünstler wer zu Beginn seiner Solo-Karriere im Herbst ´99 einige Unplugged-Sessions im kleinen intimen Kreise erleben durfte, weiß, wovon hier die Rede ist... Ehrlich, intim, die perfekte nächtliche Ergänzung zum Tagesalbum "Died Laughing".
„Died Laughing“:
Es gibt zwar viele Sänger, die nach dem Ausstieg aus ihrer Stammformation eine Solokarriere anstreben, aber nur ganz wenigen gelingt der Absprung aus dem bisherigen Terrain. Der Fall Keith Caputo allerdings muss zu den rühmlichen Ausnahmen gezählt werden.
Der Italo-Amerikaner aus New York gelangte 1993 im Alter von 20 Jahren mit seiner Band Life Of Agony ins weltweite Rampenlicht der Rockszene. Life Of Agony bezeichneten ihren Stil damals selbst als "Heavy Melodic Alternative Groove". Das Debüt "River Runs Red" (1993, Top 70) wurde allerortens gefeiert, nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Kombination schwerer Heavy Rock-Gitarren mit einer Stimme, die man in diesem Umfeld bisher noch nicht gehört hatte: Keith Caputo verstand es, einer eigentlich eher gewöhnlichen Rock-Band seinen Stempel aufzudrücken und sie mit seinem Gesang aus dem Mittelmass herauszuführen. Nicht unbedingt auf dem zweiten LOA-Album "Ugly" (1995, Top 50), aber spätestens auf "Soul Searching Sun" (1997, Platz 11 Albumcharts) wurden dem aufmerksamen Zuhörer neue Töne präsentiert: Songs, die der Stimme Caputos mehr lagen Stücke, die intensiver als je zuvor die emotionalen Abgründe aufzeigten, in denen sich Menschen befinden können. Als Beispiele seien hier nur die wunderschönen Balladen "My Mind Is Dangerous" und "Desire" genannt. Setzt man bei diesen herausragenden Kompositionen an, so wird man die Gründe des Ausstiegs eher verstehen.
Caputo wollte mehr, wollte seiner Stimme endlich das Umfeld gönnen, in das sie gehört. Wollte raus aus dem doch mit vielen Klischees beladenen Heavy Rock-Zirkus, wollte zeigen, wo seine eigentlichen Vorlieben liegen. "Meine Eltern heissen Led Zeppelin und Pink Floyd, meine Paten sind die Beatles", hat der kleine Mann mit der gro en Stimme einmal gesagt. Damit dürfte auch klar sein, wohin die Reise auf seinem im Februar erscheinenden Soloalbum geht: Atmosphäre statt Aggression, Strukturen statt Stakkato, Tiefgang statt Theatralik. Keith hat in den letzten beiden Jahren sein Leben neu geordnet, seinen Weg gefunden und dazu den passenden Soundtrack verfasst. "Wer diese Platte hört, weiss, warum ich Life Of Agony verlassen habe." Auch wenn es platt klingt, der Mann hat Recht.
"Died Laughing" und die darauf enthaltenen zwölf Songs zeigen einen Mann, dessen Musik weder in abgedroschenen Singer/Songwriter-Phrasen abdriftet noch den Weltschmerz als einzig existierendes Gefühl zulässt. "Died Laughing" klingt erwachsen, obwohl sein Erschaffer gerade mal 25 Jahre alt ist. Aber Keith Caputo hat noch nie das Risiko gescheut ("Ich mag extreme Situationen") und ist sich stets treu geblieben. So etwas ist in diesem schnelllebigen Business sehr, sehr selten geworden. Und wird auch dementsprechend von den Fans honoriert.
Während der VISIONS-Autogrammstunde auf dem 99er-Bizarre-Festival in Köln gehörte Keith mit der Bloodhound Gang zu den absoluten Abräumern. Die alten Fans stehen nach wie vor zu ihm, was auch die Ende September kurzfristig anberaumten Akustikshows in ausgewählten Clubs der Republik zeigten. Überall, wo der seit Ende August in Amsterdam lebende Mann mit seiner Gitarre im Schlepptau auftauchte, hatten die Konzerte beinahe Andachtscharakter. Künstler und Publikum lagen überall auf derselben Wellenlänge. Überraschende Auftritte im Vorprogramm der Herbst-Tour von Scycs, aber auch der Support-Slot vor 8.000 Cranberries-Fans in Berlin am 13. November wurden für Caputo zum Triumphzug. Nach all der langen Zeit im Studio mit Sicherheit mehr als eine Genugtuung für den Italo-Amerikaner.
Produziert wurde "Died Laughing" von Jared Kotler (u.a. Marcy Playground), gemischt vom Routinier Mike Shipley (u.a. Def Leppard). Ausserdem konnte Keith namhafte Musiker wie die Gitarristen Craig Ross (Lenny Kravitz), Jeff Thall (Bryan Ferry, Ultravox) und Robert Mastrianni sowie den Keyboarder Jordan Feinstein, den Bassisten Mike Corn und Steven Wolf (dr) um sich scharen. Trotz dieser illustren Namen hat das Album keinen sterilen Studio-Charakter, sondern lebt von der Musik und der Magie, die während der Aufnahmesessions automatisch entstanden ist. ,,Craig Ross zum Beispiel war wie ein grosser Bruder zu mir", erklärt Caputo mit seinem berühmten verschmitzten Lächeln. ,,Er wusste sofort, worum es bei den einzelnen Songs ging. Ich musste ihm kaum etwas erklären." Diese Spontaneität kommt nicht nur bei den eher rockigen Nummer wie dem Opener "Honeycomb" oder "Lollipop" zum Tragen, sondern auch bei jazzigen Ausflügen Marke "Cobain (Rainbow Deadhead)", ein Song, der übrigens nichts mit Courtney Love zu tun hat. "New York City", die Hommage an seine Heimatstadt, war selbst in der Akustikversion ein mitreissender Konzerthöhepunkt und wird in der Studiofassung die zweite Single werden. Und emotionaler als mit "Brandy Duval", der Reflexion über den frühen Drogentod seiner Mutter, kann man ein Album kaum beenden.
Jeder Note, jedem Takt dieser Scheibe merkt man an, dass der Verfasser von einem grossen Druck befreit ist und jetzt endlich genau die Nische gefunden hat, in der er sich wirklich wohl fühlt. Nenn´ es Singer/Songwriter, nenn´ es Pop - was am Ende herauskommt, ist ein Album, das nicht nur LOA-Fans gefallen wird, sondern dem kleinen New Yorker ganz neue Anhänger bescheren wird.
-Jörg Staude-













